
Wer spart woran, und woher kommt das Geld für nötige Investitionen? Zum Beispiel für das Ratsgymnasium, das Klinikum, Sportanlagen, Straßen, örtlichen Umweltschutz oder auch andere Schulen im Kreis Peine. Acht Politiker, zwei Schüler, einige hundert Zuschauer, kluge Fragen und bisweilen lautstarker Szenenapplaus – das war die kontroverse Podiumsdiskussion zur Landratswahl im Peiner Ratsgymnasium am Montagabend.
Die Aula war bis auf den letzten Platz gefüllt: Oberstufenschüler, Eltern, Lehrer und einige Mitarbeiter der sich für das Landratsamt in Stellung bringenden Kandidaten. Bis auf die AfD-Kandidatin waren alle erschienen, ein deutlicher Fingerzeig: Politik nimmt Jugend und ihre Fragen zunehmend ernst. Und über allem schwebte an diesem Abend die Frage nach dem seit Jahren schwelenden und aktuell heißer werdenden Turnhallen-Konflikt am Ratsgymnasium.
Charmantes Moderatoren-Duo
Mit einer charmanten Mischung aus Nervosität und Selbstbewusstsein führten die beiden Oberstufenschüler Nupelda Kirmizitas (18) und Christopher Merscher (17) durch den Schlagabtausch der Kandidaten und Kandidatinnen. Und steckten gleich zu Anfang die Spielregeln ab: Bei der Sache bleiben und kurz fassen. „Zwei oder drei Sätze, bitte, kurz und knackig“, so Merscher.
Bei Abschweifungen in nicht auf kommunaler Ebene verhandelbare Themen, Rüstungspolitik beispielsweise, grätschten die beiden jungen Moderatoren konsequent dazwischen: „So etwas wird nicht im Landkreis entschieden.“ AfD-Kandidatin Angela Rudzka habe übrigens als einzige Kandidatin trotz mehrmaliger Anschreiben nicht auf die Einladung zur Diskussion reagiert, so die beiden Schüler schon zu Beginn der Diskussionsrunde.
Sieben Kandidaten plus Linke
Gekommen waren Julia Semper (SPD), Carsten Lauenstein (CDU), Stefanie Weigand (Grüne), Marcus Seelis (FDP), Martin Schampera (Volt), Matthias Laue (parteilos), Christian Meyer (die Basis) und – obwohl die Linke keinen eigenen Kandidaten stellt Lukas Baden. „Uns war im Vorfeld wichtig, alle politischen Positionen vertreten zu haben“, begründete Merschner gegenüber dieser Zeitung.
Dann ging es zur Sache: Eine Turnhalle, die nicht gebaut wird, Container-Unterricht, der den Landkreis mittlerweile einige Hunderttausend Euro Miete kostet, regendurchlässige Schulgebäudedächer, Klassenräume, die im Sommer aufgrund fehlenden Hitzeschutzes kaum funktionieren, und Sportplätze, die verrottet oder verschlossen sind – das waren nur einige der Probleme, mit denen die Kandidaten für das Amt des Landrats konfrontiert wurden.
Bildung unter Spardruck?
„An Bildung darf nicht gespart werden, andererseits haben wir ein Flächenproblem“, so versuchte es ausgleichend die Bündnis-Grüne Weigand. „Sanierungsstau, den müssen wir beheben, das wird zu meinem 100-Tage-Programm gehören“, versprach CDU-Mann Lauenstein. Für FDP-Mann Seelis und Einzelkandidat Laue stehen vor jeder Lösung ein Kassensturz und eine entsprechende Haushaltssanierung. Schampera von Volt schlug weitere Behelfslösungen in leerstehenden Gewerbehallen vor. Und SPD-Frau Semper sagte: „Da wo es schimmelt, wo es nass ist, wo Splitter in Füßen landen, da ist keine Zeit zu warten.“ Szenen-Applaus. Moderatorin Kirmizitas hakte nach: „Warum sollte man der SPD weiter vertrauen, wenn sie doch bisher Landrat und Bürgermeister stellt?“ Ein Raunen ging durch den Saal. Julia Semper mühte sich um Distanz zu den bisher handelnden Personen. Sie habe das Gefühl, dass bisher in Sachen Turnhalle am Ratsgymnasium eine Kompromisssuche „nicht ausreichend verfolgt“ worden sei.
Ohne Geld ist alles nichts. Entsprechend viel Raum nahmen in der Diskussion Einnahme- und Ausgabenseite des Landkreises ein. 97 Prozent des Haushaltes sind Pflichtaufgaben, sagte FDP-Mann Seelis. Drei Prozent freiwillige Leistungen wie beispielsweise Schwimmbäder. Um einen Haushalt zukunftsfähig zu machen, lohne es nicht an der Stelle weiter zu sparen. Und fast alle anderen Kandidaten pflichteten ihm bei. Als der Liberale indes zur Konsolidierung einen kompletten Personaleinstellungsstopp samt Aufgabenüberprüfung der 1.200 Mitarbeiter des Landkreises forderte, gingen nicht mehr ganz so viele Kandidaten mit. Wichtig sei doch eher, so Semper, die Einnahmeseite zu erhöhen: Wirtschaft stärken, gut bezahlte Jobs ansiedeln. Als es zu detailreich wurde, gingen die Moderatoren dazwischen. „Sie haben die Chance, Stimmen zu fischen, nutzen Sie sie doch“, warb Merscher.
Eine Ad-hoc-Abstimmung unter anwesenden Schülerinnen und Schülern gab es am Ende der Debatte nicht. Und auch das gefühlte Applausometer konnte keine eindeutige Tendenz erkennen lassen, für welche Kandidatin oder welchen Kandidaten letztlich eine Mehrheit der Erstwähler vom Ratse votieren würden. Klar nur: Offenkundiger Populismus bekam stets oft Stille als einzige Resonanz. Und allzu sichtbare Versuche, sich nicht festlegen zu wollen, allenfalls höflichen Applaus.
Ein kurzweiliger Abend mit einem politisch interessierten jungen Publikum, bemühten und teils kenntnisreichen Kandidaten und einem Moderatoren-Duo besonderer Güte.
Bildunterschrift zum Artikelfoto: Podiumsdiskussion vor vollem Haus im Ratsgymnasium (v.I.): Carsten Lauenstein, Martin Schampera, die Moderatoren Christopher Merschner und Nupelda Kirmizitas, Julia Semper, Stefanie Weigand, Marcus Seelis, Matthias Laue, Schulleiter Manfred Filsinger sowie Christian Meyer.
(Dieser Artikel wurde von Volker Macke geschrieben und erschien am 26.08.2026 in der Peiner Allgemeinen. Alle Fotos wurden von Ralf Büchler aufgenommen.)








