
Macht der Beruf des Politikers glücklich? In welcher Beziehung stehen Politik und Glück? Was ist überhaupt Glück? Vier Ratsgymnasiasten des Seminarfachs im 13. Jahrgang stellten dem SPD-Bundestagsabgeordneten Hubertus Heil diese und weitere Fragen. Die Antworten sind nun Teil eines öffentlichen Podcasts.
Heil folgte der Einladung von Lasse Hoppenworth. „Ich dachte mir, ich frage ihn einfach mal, ob er für ein Interview in unsere Schule kommt.“ Die Freude war groß, dass er zeitnah zusagte. Zu Beginn des Gesprächs mit Lasses Seminarfachteam spricht der Peiner Politiker sehr offen über sein privates Glück: „Ich habe tolle Kinder und eine tolle Frau. Und dafür bin ich sehr dankbar.“ Seine politische Arbeit empfinde er auch als beglückend, indem er mitgestalten und mitbestimmen dürfe – zum Beispiel bei der Schaffung von Bedingungen, unter denen Bürgerinnen und Bürger glücklich leben können.
Das politische Geschäft erlebt er als schwierig. „Man muss es als Politiker aushalten, dass man verletzt wird.“ In letzter Zeit sei der Umgangston immer rauer geworden. „Streit gehört zur Politik, aber es muss Streit um die richtige Lösung sein. Kompromiss ist kein Schimpfwort.“ Hasserfüllte Kommunikation führe zum Gegenteil. Versöhnlichkeit sei wichtig. „Ich muss als Politiker mit denen tanzen, die im Saal sind.“
Kommunikation sei auch auch in der Gesellschaft insgesamt problematisch. „Ich finde, dass wir uns Gedanken darüber machen müssen, wie wir wieder Orte stärken können, in denen Menschen unterschiedlicher Meinungen sich friedlich begegnen können – digital oder physisch. Unsere Gesellschaft zerfällt gerade in Gruppen, in denen man sich nur noch in der Bubble mit denen unterhält, die die eigene Meinung teilen.“
Gleichzeitig stellt er fest, dass sich die Menschen zunehmend Sorgen machen, zum Beispiel wegen des Klimawandels und der zahlreichen internationalen Krisen und Konflikte. „Es gibt eine Achse der Rechtspopulisten und Diktaturen, aber wo ist die Achse der Anständigen?“, fragt Heil mit Nachdruck. Hier sei es wichtig, das Vertrauen in die Demokratie zu stärken.
Heil schlägt im Dialog mit den Schülern immer wieder Brücken zur jungen Generation. Selbstkritisch räumt er ein, dass ältere Menschen dazu neigen, die Vergangenheit zu verklären. „Es war früher nicht schlechter oder besser, es war anders.“ Er schließt das Gespräch mit einem Appell an die Jugend: „Glaubt an die Kraft, dass man Dinge zum Positiven verändern kann – und findet gute Beispiele, von denen man lernen kann. Und macht euch bewusst, dass es auch ein Antrieb sein kann, eine gute Demokratie lebendig zu erhalten.“ Hierzu zähle die Erkenntnis, dass man diese Aufgabe nicht an den Staat delegieren kann.
Die vier Schülerinnen und Schüler erhalten am Ende viel Lob von Schulleiter Manfred Filsinger. „Ihr habt dieses Gespräch mit Herrn Heil sehr professionell vorbereitet und durchgeführt.“ Und hier der Link zum Podcast mit dem Titel „Glückssache“.
Bildunterschrift Gruppenbild (von links): Lasse Hoppenworth, Svea Fahrenkrug, MdB Hubertus Heil, Sophie Bollmann, Christine Neubauer, Seminarfachlehrerin Lara Stein
