Lang ist’s her: 70 Jahre nach dem bestandenen Abitur besuchten zwei ehemalige Ratsianer ihre Schule – und setzten sich zu den Schüler*innen in die Mensa. Schulleiter Manfred Filsinger leistete den beiden Hochbetagten Gesellschaft.

Ernst Wöbbeking (im Bild oben links)  und Dr. Hans-Dieter Schwarz – beide Jahrgang 1935 – hatten sich diesen Mensabesuch ausdrücklich gewünscht. Beim Essen wurden viele Erinnerungen an die Nachkriegsjahre wach. „Wir hatten oft Hunger. Die Schulspeisung machte uns satt – vor allem, wenn wir einen Nachschlag bekamen,“ erzählen die beiden. Wöbbeking schwärmt dabei besonders von der Haferflockensuppe mit Kakao.

Die ersten Jahre im Gymnasium waren sehr herausfordernd. „Ich musste eine Woche lang Prüfungen überstehen, um in die 5. Klasse aufgenommen zu werden,“ berichtet Schwarz. Bei Wöbbeking waren es drei Tage, als er zu Beginn des 6. Jahrgangs zum Ratse wechselte. „Ich habe als junger Schüler vor allem aus Angst gelernt.“ Mit zunehmendem Alter habe er sich in seiner Schule aber immer wohler gefühlt.

Schwarz erinnert sich lebhaft an den Wiedereinzug in das angestammte Schulgebäude. „1947 gaben die Engländer das Lazarett in der Burgstraße auf und wir Schüler haben mitgeholfen, Unterrichtsmaterial und Möbel aus den Ausweichräumen in der Wallschule in das Ratse zurückzutragen. Das war ein großes Spektakel!“

Die beiden Jubilare, die schon schon seit 1941 gemeinsam in Groß-Bülten die Schulbank drückten, hat die Schulzeit immerhin so positiv geprägt, dass sie 1958 selbst in den Schuldienst eintraten. Schwarz begann seine Lehrtätigkeit an der Volksschule in Wipshausen. Wöbbeking wurde Förderschullehrer.

Als Dankeschön für das kurzweilige Mittagessen überreichte Wöbbeking dem Lateinlehrer David Hunecke zwei original römische Ziegelsteine aus Trier. Beide Ex-Ratsianer freuen sich nun auf die Teilnahme an der feierlichen Entlassung der Abiturienten im Juni.

Bildunterschriften unten: Julian und Sarah aus der 6c servieren den Gästen ihr Essen in der Schulmensa.
Ernst Wöbbeking überreicht Lateinlehrer David Hunecke 2000 Jahre alten Ziegelsteine aus Trier – samt Zertifikat